Aurubis AG (Veddel)

Schmutziges Kupfer aus West-Papua

Aurubis AG profitiert von Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen

Erstellt am 23.06.2013, zuletzt geändert am 12.12.2013 | hamburg commercial

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Flagge der Unabhängigkeitsbewegung, Lussqueittt 2009

Kupfer gehört durch seine hohe Leitfähigkeit von Strom zweifelsohne zu den wichtigsten Werkstoffen unseres Kommunikationszeitalters. Ohne Kupferleitungen wäre die globale Vernetzung sowie die Technologisierung unserer heutigen Gesellschaft undenkbar.
Die im Hamburger Hafen ansässige Aurubis AG ist der zweitgrößte Kupferproduzent der Welt. Allerdings bezieht der Konzern seine Rohstoffe zum Teil aus ethisch höchst fragwürdigen Quellen. So zum Beispiel aus West-Papua, einem Land, das 1961 von indonesischen Truppen besetzt wurde und dessen Menschen als auch Ressourcen seitdem von verschiedenen Akteuren massiv ausgebeutet werden.

Die im Hamburger Hafen ansässige Aurubis AG (bis 2009 Norddeutsche Affinerie) ist der zweitgrößte Kupferproduzent der Welt und bezieht Kupferkonzentrat aus einer Vielzahl von Herkunftsländern. Zu den wichtigsten Produzenten des Konzentrats, das in Hamburg zu hochwertigen Kupferkathoden weiterverarbeitet wird, zählt neben anderen global agierenden Akteuren auch PT Freeport Indonesia, ein Tochterunternehmen des US-amerikanischen Bergbaukonzerns Freeport-McMoRan Copper & Gold Inc . Der Konzern betreibt die in West-Papua gelegene Grasberg-Mine, bei der es sich um die größte Goldmine und gleichzeitig um die Kupfermine mit den niedrigsten Förderkosten der Welt handelt1.

Die Gründe für die geringen Förderkosten liegen auf der Hand: Der Konzern ist in West-Papua weder an Umweltschutzauflagen gebunden, noch an die Einhaltung universeller Menschenrechte der Bevölkerung, die unter den gravierenden ökologischen und sozioökonomischen Folgen des offenen Tagebaus und der skrupellosen Firmenpolitik von Freeport zu leiden hat. Jeden Tag werden hunderttausende Tonnen verseuchten Abraums in die wichtigsten Flüsse der Region abgeleitet und gelangen daraufhin in die nahe gelegene Arafurasee.

Auf dem Weg zum Meer kontaminiert der hohe Schwermetallgehalt des Abraums vormals fruchtbares Agrarland sowie das Trinkwasser der ansässigen Bevölkerung. Darüber hinaus vernichtet der giftige Abraum die örtlichen Fischbestände und somit die wichtigste Nahrungsressource der Menschen. Proteste der papuanischen Bevölkerung lässt Freeport mit Unterstützung des indonesischen Militärs blutig niederschlagen. Die Grundlage für den massiven Raubbau an Land und Bevölkerung in West-Papua durch Konzerne wie Freeport bildete eine auf totalitären und rassistischen Strukturen aufbauende Fremdherrschaft Indonesiens, die fortlaufend durch Ausbeutung, Unterdrückung, Mord und eklatante Menschenrechtsverletzungen gekennzeichnet ist2. Durch Kooperation mit Freeport Indonesia und durch die Weiterverarbeitung von Kupferkonzentrat aus der Grasberg-Mine ist die Aurubis AG indirekt für die katastrophale Situation in West-Papua mitverantwortlich.

West-Papua unter indonesischer Fremdherrschaft

Nachdem die Niederlande den indonesischen Teil ihres ostasiatischen Kolonialreichs 1949 in die Unabhängigkeit entlassen mussten, zogen sie sich einige Jahre später schrittweise auch aus West-Papua zurück. 1952 erhielt das Land innere Selbstverwaltung mit Aussicht auf völlige Unabhängigkeit im Jahr 1970. Die lang gehegte Hoffnung der Papua auf Selbstbestimmung wurde jedoch 1961 mit dem Einmarsch indonesischer Truppen zunichte gemacht. Die Regierung in Jakarta, unter Führung von Staatspräsident Sukarno, begründete die Besetzung mit dem Anspruch auf ein von niederländischen Einflüssen befreites Südostasien. Das Interesse am enormen Rohstoffreichtum der Region dürfte jedoch eine weitaus größere Rolle gespielt haben. Nachdem West-Papua 1962, auf US-amerikanischen Druck, den Vereinten Nationen unterstellt worden war, veranlassten diese das New Yorker Abkommen, das nun auch offiziell den Übergang West-Papuas in den indonesischen Herrschaftsbereich besiegelte.

Am 1. Mai 1963 wurde West-Papua zu indonesischem Staatsgebiet. Diese Entscheidung berücksichtigte jedoch keines Falls den mehrheitlichen Willen der papuanischen Bevölkerung und es bildeten sich in den Folgejahren friedliche Widerstandsbewegungen, aber auch die revolutionäre Organisation Papua Merdeka (OPM, dt.: Organisation Freies Papua), die nur mit mäßigem Erfolg begann, auf militärischem Weg für die Unabhängigkeit des Landes zu kämpfen. Obwohl die Aktionen der schlecht ausgerüsteten Guerillas der OPM in keinster Weise die Souveränität des indonesischen Militärs bedrohten, wurden völlig unverhältnismäßige Vergeltungsaktionen gegen die Zivilbevölkerung durchgeführt, bei denen indonesische Truppen ganze Dörfer samt ihrer Einwohner*innen auf einen Schlag vernichteten3.

Der staatlich angeordnete Terror beschränkte sich jedoch nicht auf die frühen 1960er-Jahre, sondern stellte den traurigen Beginn einer völligen Polizei- und Militärwillkür in West-Papua dar, die bis heute anhält. Ermordungen vermeintlicher Separatist*innen, Folter, Vergewaltigungen und weitere gravierende Menschenrechtsverletzungen durch marodierende indonesische Truppen, sind auch heute noch an der Tagesordnung. Allein im Zeitraum von 1963 bis 1983 wurden schätzungsweise 150.000 Papua getötet und eine unüberschaubare Anzahl von Menschen in das benachbarte Papua Neuguinea vertrieben. Aktuelle Zahlen sind nur schwer zu erheben, da unabhängigen Journalist*innen und Menschenrechtsorganisationen die Einreise nach West-Papua seit Jahren verwehrt wird. Eine Vielzahl von NGOs spricht jedoch von einem schleichenden Genozid4.

Staatlicher Terror und Umsiedelungen

Während die papuanische Bevölkerung durch den staatlichen Terror und schlechte Lebensbedingungen kontinuierlich zurückgeht, steigt die indonesische Bevölkerung stetig an. Unmittelbar nach dem sogenannten Act of Free Choice im Jahr 1969, bei dem sich das indonesische Regime um den Diktator Suharto noch einmal die Rechtmäßigkeit der Annexion West-Papuas durch gekaufte und unter starken Druck gesetzte Wahlmänner legitimieren ließ, wurden im Rahmen des groß angelegten Transmigrasi-Projektes tausende indonesische Familien von Java aus nach West-Papua umgesiedelt. Die staatlich organisierten Umsiedlungen nach West-Papua hatten und haben verschiedene Gründe. Zum einen sollte der Bevölkerungsdruck auf die wirtschaftlich am stärksten entwickelte indonesische Insel Java gesenkt werden, auf der auch heute noch rund die Hälfte der indonesischen Gesamtbevölkerung lebt. Zum anderen benötigte die indonesische Regierung Facharbeiter*innen mit dem nötigen Know-how, um die üppigen Ressourcen West-Papuas möglichst effizient auszubeuten5.

Ein durchaus gewollter Nebeneffekt ist eine fortlaufende Indonesierung der papuanischen Bevölkerung, um West-Papua auch nachhaltig in den Vielvölkerstaat Indonesien einzugliedern, wobei sich jedoch ein deutliches Paradoxon abzeichnet. Einerseits werden papuanische Kulturelemente aus dem öffentlichen Leben verbannt und unter Strafe gestellt, um bestehende Identifikationsmuster aufzubrechen und die Assimilierung der Papua voranzutreiben, andererseits werden diese durch enorme Repressionen, strukturellen Rassismus und soziale Benachteiligungen in ihrem eigenen Land marginalisiert. So ist die Armut in papuanischen Gemeinden doppelt und die Kindersterblichkeit sechsmal so hoch wie im indonesischen Durchschnitt. Generell wird der papuanischen Bevölkerung der Zugang zu sozialen Einrichtungen, Schulen und der Gesundheitsversorgung erheblich erschwert. In Gebieten mit besonders starker Präsenz indonesischer Truppen steigen zudem die Aidsraten unter jungen papuanischen Frauen exorbitant6.

West-Papua – Die Schatzkammer Indonesiens

Zwar gab es in Jakarta seit Ende der Suharto-Ära von verschiedenen politischen Akteuren wiederkehrende Bestrebungen, die rassistischen Disparitäten beider Bevölkerungsgruppen aufzubrechen und den Papua, zumindest auf dem Papier, politische und kulturelle Minimalrechte zuzugestehen. Real umgesetzt wurde davon bis heute allerdings herzlich wenig. Dabei würde sich eine Kursänderung in der West-Papua-Frage hin zu einer tatsächlichen Demokratisierung der Region durchaus positiv auf das internationale Image der indonesischen Nation auswirken. Da jedoch auch schon kleine Zugeständnisse die papuanischen Unabhängigkeitsbestrebungen beflügeln würden, wäre der uneingeschränkte Zugang zu den reichen Ressourcen des Landes alsbald ernsthaft gefährdet. Der indonesische Staat profitiert wirtschaftlich allerdings enorm von der rigorosen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die unmittelbar an die Unterdrückung der lokalen Bevölkerung gekoppelt ist. Also bleibt alles beim Alten.

Die wichtigsten Ressourcen, die durch indonesische Konzerne, aber auch durch australische und US-amerikanische Unternehmen in West-Papua ausgebeutet werden, sind Erdöl, Gas, Kupfer, Gold und Tropenhölzer. Da mittlerweile der Großteil aller indonesischen Rohstoffe aus dieser Region stammt, kann man West-Papua getrost als die Schatzkammer Indonesien betrachten7.

Der Holzeinschlag ist der Rohstoffsektor mit den offensichtlichsten geographischen Auswirkungen auf West-Papua. Da über die Hälfte der enorm artenreichen Regenwaldflächen West-Papuas von Indonesien zur wirtschaftlichen Nutzung freigegeben wurde, regiert in der Region nicht nur das marodierende Militär, sondern auch die Kettensäge. So ist West-Papua beispielsweise die weltgrößte Quelle des äußerst hochwertigen Tropenholzes Merbau. Zwar ist Merbau seit 2001 offiziell mit einem Exportverbot belegt, 90 Prozent des Edelholzes werden jedoch ohnehin illegal eingeschlagen und über eigens errichtete Häfen außer Landes gebracht.

Hauptabnehmer von Merbau sind heute vor allem Japan und China. Der illegale Holzeinschlag in West-Papua wird wiederum hauptsächlich von indonesischen Militärs organisiert, die weitestgehend ohne staatliche Kontrolle agieren und sich seit der Besetzung in den 1960er-Jahren eigene wirtschaftliche Strukturen geschaffen haben. Die enormen Gewinne des Holzeinschlages gehen an der auf Subsistenzwirtschaft angewiesenen papuanischen Bevölkerung weitestgehend vorbei. Fallen jedoch Waldflächen in den Fokus der Holzwirtschaft, die innerhalb von papuanischen Siedlungsgebieten liegen, kommt es zu Vertreibungen und massiver Gewalt. Entschädigungen für die erzwungenen Landverluste gibt es in der Regel keine. Die abgeholzten Brachflächen werden im Anschluss vom indonesischen Staat an internationale Palmölproduzenten verpachtet8.

Freeport und die Grasberg-Mine

Die Ressourcen, mit deren Ausbeutung sich jedoch in West-Papua mit Abstand die höchsten Gewinne erzielen lassen, sind Kupfer und Gold. 1967 erwarb das US-amerikanische Unternehmen Freeport- McMoRan ein Konzessionsgebiet im Hochland von West-Papua beim damaligen indonesischen Machthaber Suharto. Nachdem unter enormem technischen Aufwand eine circa 100 Kilometer lange Zufahrtsstraße von der südlich gelegenen Arafurasee durch unwegsamen und zerklüfteten Regenwald bis zu den zentralen Kupfervorkommen im papuanischen Hochgebirge in unmittelbar Nähe des höchsten Bergs Ozeaniens, der Carstensz-Pyramide gebaut wurde, begann Freeport mit der Kupfererzgewinnung im offenen Tagebau. Zu den ersten Abnehmern des Kupfererzes aus West-Papua gehörte neben Japan auch die Norddeutsche Affinerie AG. 1988 erfolgte dann im selben Konzessionsgebiet der Aufschluss der Grasberg-Mine auf 4.270 Metern Höhe, bei der es sich heute um die weltgrößte Goldmine und gleichzeitig um die Kupfermine mit den weltweit niedrigsten Förderkosten handelt.

Täglich werden in dem mittlerweile 910 Meter tiefen Tagebau 238.000 Tonnen Kupfererz bei 700.000 Tonnen bewegtem Material gefördert (Stand: 2005)9. Das geförderte Kupfererz wird mit Hilfe chemischer Verfahren und unter Verwendung großer Wassermengen schon vor Ort zu einem Konzentrat aufgewertet, das dann zur Weiterverarbeitung über einen eigenen Seehafen zu Affinerien in aller Welt transportiert wird. Der Jahresertrag der Grasberg-Mine lag 2006 bei 660.000 Tonnen reinem Kupfer im Wert von 2,7 Milliarden US-Dollar und 79 Tonnen Feingold im Wert von 1,3 Milliarden US-Dollar. Damit trägt Freeport Indonesia 1,6 Prozent des indonesischen BIP bei und ist mit einer jährlichen Abgabe von 1,8 Milliarden US-Dollar größter Steuerzahler des Landes10.

Jedoch ist Freeport Indonesia nicht nur der größte Steuerzahler, sondern auch der größte Umweltzerstörer in West-Papua. Freeport verstößt sowohl gegen indonesische als auch gegen amerikanische Umweltgesetze und leitet täglich 238.000 Tonnen giftigen Abraum direkt in die wichtigsten Flüsse der Region und somit auch in die nahe gelegene Arafurasee11. Der Kupfergehalt der riesigen Abraummengen, die in die Flüsse gespült werden, kontaminiert das Trinkwasser, tötet die Fischbestände sowie nahezu alle anderen Wasserlebewesen und löst ein weit reichendes Waldsterben aus. Darüber hinaus verschlammt der giftige Abraum die ehemals fruchtbaren Agrarflächen der lokalen Bevölkerung an den Uferrändern und hinterlässt beträchtliche Flächen totes Land. Im Mündungsgebiet der Flüsse hat Freeports Kupferabbau ein sich ausdehnendes Korallensterben eingeleitet, das auch die traditionelle Küstenfischerei beeinträchtigt.

Da das Konzessionsgebiet unmittelbar neben dem Lorentz-Nationalpark liegt, sind dessen Gewässer ebenfalls zum Teil stark verunreinigt. Zwar wurde 2001 auch von Indonesien ein Gesetz gegen die Flussentsorgung erlassen, die in anderen Bergbau betreibenden Industriestaaten wegen katastrophaler Langzeit-Umweltschäden schon lange verboten ist, Freeport Indonesia ändert jedoch nicht an seiner Praxis und umgeht Kontrollen durch jährliche Schmiergeldzahlungen an den indonesischen Staat und örtliche Militärs in zweistelliger Millionenhöhe12.

Vergiftetes Grundwasser und geschmierte Geschäfte

Neben der verantwortungslosen Entsorgung des Abraums stellt saurer Haldenabfluss ein weiteres massives Umweltproblem dar. Während der Verwitterung des Haldenmaterials, das auch noch nach der Ausbeutung Kupferrückstände beinhaltet, wird Schwefel zu Schwefelsäure oxidiert, die ungehindert in den Grundwasserzyklus gelangt und somit die umliegenden Gewässer zusätzlich vergiftet. Der saure Haldenabfluss der Grasberg-Mine wird zudem durch die Praxis des High-Grading verstärkt: Um die Förderkosten so niedrig wie möglich zu halten und somit den Profit der Mine zu maximieren, werden nur die Erze mit dem höchsten Gold- und Kupfergehalt weiterverarbeitet. Daher haben die Materialhalden der Grasberg-Mine einen besonders hohen Gehalt an Kupferrückständen und produzieren dementsprechend hochkonzentrierten sauren Haldenabfluss.

Die beträchtlichen Zahlungen an örtliche indonesische Militärs und Polizeieinheiten, die Freeport einräumt, sollen nicht nur staatliche Kontrollen zur Einhaltung von Umweltauflagen und entsprechende Konsequenzen abwehren, sondern erkaufen dem Konzern umfangreichen Schutz seiner Mine und der ihr zugehörigen Infrastruktur vor der papuanischen Bevölkerung. Rund 3.000 Soldaten und Polizeikräfte sind einzig und allein für den Schutz der Mine zuständig, sollen Sabotagen durch die OPM verhindern und schlagen Proteste immer wieder blutig nieder13. Den bitterarmen Papua werden täglich die Zerstörung ihres Lebensraums und die rigorose Ausbeutung ihrer Ressourcen vor Augen geführt. Zwar zahlt Freeport horrende Steuerabgaben an den indonesischen Staat, von denen die indigene Bevölkerung West-Papuas in der Regel jedoch nur minimal bis überhaupt nicht profitiert. Darüber hinaus wurden schon bei der Vergabe des Konzessionsgebietes und beim Bau der beiden Minenstädte Tembagapura und Kuala Kencana, in denen die Minenarbeiter und ihre Familien untergebracht sind, die ansässigen Amungme und Komoro vertrieben, ohne dafür entschädigt zu werden14.

Die Region des papuanischen Hochlands, in dem die Grasberg-Mine liegt, ist zudem zentraler Bestandteil der regionalen Mythologie und gilt der indigenen Bevölkerung als heilig. Freeport verweigert den Menschen nicht nur den Zutritt, sondern entweiht und zerstört durch den rigorosen Gold- und Kupferabbau deren wichtigstes Heiligtum. Findet bei der Betrachtung des regionalen Konfliktes zusätzlich die generelle Unterdrückung der papuanischen Bevölkerung durch die indonesische Besatzungsmacht Berücksichtigung, verwundert der anhaltende Widerstand gegen die Grasberg-Mine, die hauptsächlich durch nicht-papuanisches Personal betrieben wird, wohl niemanden mehr.

Mit Streiks für bessere Arbeitsbedingungen

Aber auch innerhalb des Minenbetriebs regen sich Widerstände gegen die ausbeuterischen Geschäftspraktiken des Konzerns. 2011 fanden lang anhaltende Arbeitskämpfe um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen ihren vorläufigen Höhepunkt in einem Generalstreik der Belegschaft, der zu einem temporären Stillstand der Kupferförderung in der Grasberg-Mine führte. Bei Tumulten während der Streiks im Oktober 2011 wurden zwei Minenarbeiter von indonesischen Sicherheitskräften erschossen. Gegen Jahresende kam es schließlich, nicht zuletzt durch Druck der internationalen Öffentlichkeit, zu einer Übereinkunft mit den Streikenden, in der Freeport einer Lohnsteigerung um 37 Prozent sowie einem Ausbau der Sozialleistungen zustimmte15. Dennoch sind auch die blutigen Ereignisse rund um die Streiks signifikante Zeugnisse der profitorientierten Skrupellosigkeit eines Konzerns, der zur Aufrechterhaltung niedrigster Betriebskosten nicht einmal davor zurückschreckt, die eigene Belegschaft zusammenschießen zu lassen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Freeport massiv von den kolonialistischen Strukturen in West-Papua und der bestehenden Rechtlosigkeit der indigenen Bevölkerung profitiert. Anstatt einen zumindest ansatzweise fairen Rahmen für den Kupferabbau in West-Papua zu schaffen und dementsprechend Eigenverantwortung zu übernehmen, erkauft sich der Konzern durch Steuerzahlungen und Schmiergelder totale Narrenfreiheit und hält sich weder an bestehende Umwelt- noch an Menschenrechte. Im Gegenteil: Durch die umfangreichen Zahlungen an örtliche Militärs zum Schutz der Grasberg-Mine unterstützt Freeport die massive Unterdrückung der papuanischen Bevölkerung und ist für die anhaltenden Gräueltaten der indonesischen Truppen in West-Papua mitverantwortlich. Durch seine unvertretbare Firmenpolitik wird der Konzern auch international schon seit Langem von zahlreichen Umweltschutzorganisationen und Menschenrechtsgruppen, aber auch von einigen finanzstarken Anlegern geächtet. So hält beispielsweise der Government Pension Fund of Norway den Besitz von Freeport-Aktien auf Grund der Verletzung zahlreicher internationaler Umweltschutzgesetze und universeller Menschenrechte sowie mangelnder Transparenz für ethisch nicht vertretbar16.

Die Aurubis AG hängt sich ein umweltfreundliches Mäntelein um

Die Norddeutsche Affinerie AG wurde im Jahr 1866 gegründet und hat seit 1910 ihren zentralen Standort auf der Peute im Hamburger Hafen. Nach der Übernahme des belgischen Kupferproduzenten Cumerio 2009 erfolgte die Umbenennung des börsennotierten Unternehmens in Aurubis AG. Der Konzern ist heute mit weltweit 63.000 Mitarbeiter*innen, einem Jahresumsatz von 13,8 Milliarden Euro und einem Produktionsvolumen von 1,2 Millionen Tonnen Kupfer der weltweit zweitgrößte Kupferproduzent (Stand: 2011)17.

Nach außen bemüht sich das Unternehmen um ein umweltfreundliches und sozialverträgliches Image, doch die jährlich erscheinenden Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte, die von Aurubis veröffentlicht werden, können nicht über die divergente Wirklichkeit hinwegtäuschen: Aurubis ist nicht nur größter Schwermetallemittent im norddeutschen Raum, sondern bezieht seit ihrem Bestehen (bzw. der Norddeutsche Affinerie AG) Kupfererz aus ethisch höchst fragwürdigen Quellen.

Schon im späten 19. Jahrhundert profitierte das Unternehmen von der deutschen Kolonialherrschaft im heutigen Namibia und bezog einen Großteil seines Kupfererzes aus den Otavi-Minen, in denen es unter sklavenähnlichen Zuständen von der einheimischen Bevölkerung für die Weißen Kolonialherren abgebaut wurde (siehe auch Kupfererz aus Südamerika und der Otavi-Mine und Kupfer ist treu). Dem folgten Kooperationen mit so ziemlich jedem Unrechtsregime, das über nennenswerte Kupfervorkommen verfügte: So bezog die Norddeutsche Affinerie ihr Kupfererz nicht nur aus dem unter der Herrschaft Pinochets stehenden Chile oder von der durch Papua Neuguinea unrechtmäßig besetzten Insel Bougainville im westlichen Pazifik, sondern auch aus Südafrika, in dem noch bis 1994 die Apartheid aufrechterhalten wurde18.

Auch wenn Aurubis heute nur rund vier Prozent ihres Kupfererzes aus West-Papua bezieht, der Großteil kommt mittlerweile aus Bulgarien und verschiedenen Ländern Lateinamerikas19, ist dies angesichts der massiven Unterdrückung und des schleichenden Völkermords an den Papua durch das indonesische Militär sowie des skrupellosen und unverantwortlichen Umgangs mit Mensch und Natur durch Freeport Indonesia auf das Schärfste zu verurteilen. Für die Aurubis AG wäre es ein Leichtes, auf die Kooperation mit Freeport zu verzichten und kein weiteres Kupfererz aus West-Papua zu verarbeiten, da die Anteile aus dieser Mine ohnehin marginal sind. Als politisches Zeichen ist ein solcher Schritt jedoch von großer Relevanz. Darüber hinaus ist für Aurubis die Erarbeitung einer langfristig geltenden Unternehmensethik unumgänglich, die den Konzern zur selbstständigen Überprüfung der Umwelt- und Sozialverträglichkeit ihrer Zulieferer verpflichtet, um endlich die nötige Mitverantwortung für die Aufrechterhaltung ausbeuterischer Strukturen in den Produktionsländern zu übernehmen. Dies impliziert auch eine detaillierte Prüfung aller bereits bestehenden Vertragspartnerschaften, um gegebenenfalls entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Nur auf diesem Weg kann es der Aurubis AG auf Dauer gelingen, die trügerische Selbstdarstellung vom sauberen Großkonzern, der sich um soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit bemüht, mit entsprechenden Inhalten zu füllen und somit an Glaubwürdigkeit zu gewinnen.

1 Norbert von der Ruhen 2012: Ressourcenfluch – Die Grasberg-Mine in West-Papua. In: Klett Gruppe / Geographie Infothek, http://www2.klett.de/sixcms/list.php?page=miniinfothek&miniinfothek=Geographie%20Infothek&node =Indonesien&article =Ressourcenfluch -Die+Grasberg-Mine+in+West-Papua =Indonesien&article =Ressourcenfluch -Die+Grasberg-Mine+in+West-Papua , abgerufen am 20.04.2013

2 Free West-Papua 2013: http://www.freewestpapua.de/index.php/allgemein/west-papua-bericht-mai-2012, abgerufen am 21.04.2013

3 Volker Böge 2006: Unterdrückung und Widerstand in West-Papua. In: Friedesforum 3/2006, Bonn.

4 Philippe Pataud Célérier 2012: Die Papua unter indonesischer Herrschaft – Der unbekannte Genozid. In: Le Monde diplomatique Nr. 9113 vom 12.2.2010, S. 19.

5 Philippe Pataud Célérier 1996: Apartheid auf Indonesisch – Die neuen Rothäute von Irian Jaya. In: Le Monde diplomatique Nr. 5049 vom 11.10.1996, S. 22

6 Survival International 2013: http://www.survivalinternational.de/nachrichten/9181, abgerufen am 21.04.2013

7 Marc Frings 2012: Papua: Herausforderungen für die staatliche Integrität Indonesiens. In: Auslandsinformationen der Konrad Adenauer-Stiftung 2/2012, Sankt Augustin.

8 West-Papua Netzwerk 2008: Palmöl und illegaler Holzeinschlag in West-Papua. In: Rundbrief des West-Papua Netzwerks 45, Wuppertal.

9 Zum Vergleich: 700.000 Tonnen entsprechen in etwa dem Gewicht von 500.000 Mittelklassenwagen.

10 Vgl: Norbert von der Ruhen 2012

11 Johannes Schweikle 2009: Grüne Geldwäsche. In: Greenpeace Magazin 1/2009

12 Vgl.: Marc Frings 2012

13 Vgl.: Norbert von der Ruhen 2012

14 Vgl.: Philippe Pataud Célérier 2012

15 Vgl.: Marc Frings 2012

16 BBC News 2008: http://news.bbc.co.uk/2/hi/business/7608097.stm , abgerufen am 26.04.2013.

17 Aurubis AG 2012: Geschäftsbericht 2011/2012

18 Schwarzbuch Hamburg Dritte Welt 1983: Norddeutsche Affinerie und Dritte Welt

19 Aurubis AG 2012: Umweltreport 2012

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Schmutziges Kupfer aus West-Papua

Aurubis AG profitiert von Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen
Karte: hamburg commercial
Autor_in Simon Strobelt, Hafengruppe Hamburg
Zuletzt bearbeitet: 12.12.2013
Weitere Informationen http://freewestpapua.org/
Quelle Siehe Fußnoten
Global Link (Geografischer Bezug): West-Papua; Indonesien (Global Links Karte zeigen)
Adresse: Aurubis AG, Hovestraße 50, Veddel, 20539  
Koordinaten (Lat/Lon) 53.5216815068787/10.033071041107178

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