{"address":"Seewartenstra\u00dfe 4","category_id":null,"city":"","comment":"","content":"Mit den Antr\u00e4gen von 2014 (Drucksache 20/13930) und 2019 (Drucksache 21/18360) hat die Hamburgische B\u00fcrgerschaft beschlossen, das Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark zu sanieren und instand zu setzen. Der Bund \u00fcbernimmt die Kosten von 7,7 Millionen Euro, Hamburg von 1,2 Millionen f\u00fcr die Denkmalsanierung, w\u00e4hrend die Stadt weitere 6,4 Millionen f\u00fcr die Revitalisierung des umgebenden Alten Elbparks bezuschusst. Im Sockelinneren des Denkmals soll eine Ausstellung eingerichtet werden. Die Ma\u00dfnahme hat Ende M\u00e4rz 2020 begonnen. \r\n\r\nMit diesen Beschl\u00fcssen haben die Entscheidungstr\u00e4ger*innen festgestellt, \u201edass das innen- und au\u00dfenpolitische Wirken Otto von Bismarcks ...  stets umstritten war und bleiben wird\u201c und dass sein Standbild von Anfang an polarisiert habe (Drucksache 21/18360). So hat das Monument Konjunkturen von Verehrung und Verachtung, Rehabilitation und Dekonstruktion durchlaufen. Der Einweihung 1906 blieb die Hamburger Arbeiterschaft ostentativ fern, w\u00e4hrend rechte Verb\u00e4nde Bismarck in seinem Denkmal zum heldenhaften Mythos hochstilisierten und den Alten Elbpark \u00fcber Jahrzehnte f\u00fcr ihre ritualisierten Versammlungen okkupierten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Parkanlage eine gro\u00dfe Anzahl fast ausgewachsener B\u00e4ume angepflanzt, um das \u00fcberkommen deutschnationale und antidemokratische Symbol den Blicken der \u00d6ffentlichkeit zu entziehen.\r\nIn der \u00c4ra des CDU-Schill-Senats sorgte der Bund f\u00fcr Denkmal-Erhaltung f\u00fcr die Illumination des Standbildes aus privaten Spendengeldern. Dabei lie\u00dfen die Bismarck-Verehrer*innen die hoch gewachsenen B\u00e4ume f\u00fcr Sichtachsen wieder k\u00fcrzen. Zur Einweihung der Neugestaltung 2003 kam es dann zu einem Aufmarsch von rechten Burschenschaftern und Neonazis. 2015 machte sich eine K\u00fcnstlergruppe \u00fcber die Figur lustig, in dem sie ihr eine Steinbock-Skulptur auf den Kopf setzte. 2020 l\u00e4sst die Stadt die Denkmalfigur neu erstrahlen und die B\u00e4ume so k\u00fcrzen, dass das umstrittene Zeichen erneut zur Geltung und W\u00fcrdigung kommt. \r\n\r\nh1. Gigantomanie in Granit\r\n\r\nEs gibt bundesweit und auch in den ehemaligen deutschen Kolonien (Kamerun, Tansania, Papua-Neuguinea) \u00fcber 300 noch existierende Bismarck-Denkm\u00e4ler. Das Hamburger Monument ist weltweit das gr\u00f6\u00dfte seiner Art. In den B\u00fcrgerschaftsantr\u00e4gen um die Instandsetzung des hiesigen Denkmals ist die nationalhistorische Einordnung der Person Otto von Bismarck[1] unternommen worden, zudem wurde auf kunsthistorische und denkmaltheoretische Quellen[2] rekurriert. Der Alte Elbpark wurde als Treffpunkt der Rechten nach dem Ersten Weltkrieg bis heute problematisiert. Nationalhistorisch betrachtet ehren die allermeisten in Deutschland befindlichen Bismarck-Denkm\u00e4ler den Reichsgr\u00fcnder. \r\nDie schiere Monumentalit\u00e4t des Hamburger Bismarcks l\u00e4sst sich mit der aufkommenden b\u00fcrgerlichen Denkmalkultur, die mit den adligen Denkmalstilen und -setzungen rivalisierte, erkl\u00e4ren: Das Deutsche Reich befand sich im Zuge der Industrialisierung in einem Transformationsprozess, die Machtverh\u00e4ltnisse verschoben sich. In diesem Zusammenhang ist wohl auch die Konkurrenz zwischen Kaiser und Kanzler um die jeweils eigenen Denkm\u00e4ler zu verstehen, auch in Hamburg.[3] \r\nKunsthistorisch gesehen handele es sich bei der martialischen Bismarck-Statue um eine Formensprache des modernistischen Jugendstils. Bereits bei der Denkmalsetzung wurde das gigantomanische Standbild mit Stimmen prominenter Gegner*innen und F\u00fcrsprecher*innen hitzig debattiert. Heute erscheint es erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig, aus welchen Gr\u00fcnden ausgerechnet der Stadtstaat Hamburg, der sich ansonsten m\u00f6glichst gegen den preu\u00dfischen Einfluss gewehrt hatte, das weltweit gr\u00f6\u00dfte Denkmal zu Ehren Bismarcks errichtete. Wer wird hier eigentlich gew\u00fcrdigt? Wer waren die Denkmalsetzer*innen? Aus welchem Motiven und Absichten heraus haben sie das Denkmal errichtet? \r\n\r\nh1. Wei\u00dfe Flecken in der Erinnerung \r\n\r\nIn der Entscheidung zur Instandsetzung des Monuments sind diese wesentlichen Fragen noch nicht ausreichend beantwortet worden. Die _Initiative Decolonize Bismarck_ erkennt in der bisherigen Debatte entscheidende L\u00fccken in der Erinnerungskultur: Es mag erstaunen, doch den bisherigen Erl\u00e4uterungen und Entscheidungsgrundlagen der B\u00fcrgerschaft fehlt g\u00e4nzlich die Betrachtung von Bismarcks Rolle in der Globalgeschichte. Die _Initiative Decolonize Bismarck_ sieht es als dringend notwendig an, auch die kolonialhistorischen und wirtschaftspolitischen Beweggr\u00fcnde der Errichtung des riesigen Bismarck-Denkmals am \u201eTor zur Welt\u201c zu durchleuchten. Erst mit einer solchen globalhistorisch verortenden Analyse l\u00e4sst sich die Bedeutung des Monuments verstehen, debattieren und ein weiterer angemessener Umgang mit ihm begr\u00fcnden. \r\n\r\nh1. Flottenpetitionen und Freihandel\r\n\r\nAls Kaiser Wilhelm II. seine neue Flottenpolitik mit der Losung \u201eDeutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser\u201c ank\u00fcndigte und dabei \u201eWeltgeltung\u201c f\u00fcr das Deutsche Reich einforderte, war dies Musik in den Ohren der \u201ek\u00f6niglichen\u201c Hamburger Reeder, Bankiers und Kolonialhandelsherren. Die m\u00e4chtigen Kaufleute haben stets f\u00fcr ihre Interessen gesorgt: Ihre Delegationen hatten immer wieder den Reichskanzler Bismarck auf seinem Anwesen in Sachsenwald besucht und gedr\u00e4ngt, das Reich m\u00f6ge doch Kolonien gr\u00fcnden. Der Grund: Der \u00fcberseeische Freihandel war durch die Konkurrenz anderer europ\u00e4ischer Nationen und den kontinuierlichen Widerstand der kolonisierten Bev\u00f6lkerungen erheblich in Bedr\u00e4ngnis geraten. Mit wiederholten Flottenpetitionen gelang es schlie\u00dflich der Hamburger Kaufmannselite, bei Bismarck Geh\u00f6r zu finden.\r\n\r\nZur Kl\u00e4rung der europ\u00e4ischen Machtanspr\u00fcche lud der Reichskanzler dann zur Berliner Afrika-Konferenz (1884/1885) ein, bei der die Modalit\u00e4ten f\u00fcr die Teilung des afrikanischen Kontinents unter den reichen Industrienationen einvernehmlich, doch eigenm\u00e4chtig, beschlossen wurden. Regierungsvertreter*innen aus den afrikanischen L\u00e4ndern und Regionen waren nicht eingeladen. Adolph Woermann, der einflussreiche Hamburger Kolonialkaufmann, Reeder und Politiker, der bereits vor Beginn der Konferenz die Kolonie Kamerun \u201egegr\u00fcndet\u201c hatte, nahm dort als beratender Lobbyist teil. Nach der Berliner Afrika-Konferenz nahm das Deutsche Reich \u201eseine\u201c Kolonien in Besitz. \r\n\r\nh1. Landnahme, Pr\u00fcgelstrafe und V\u00f6lkermord\r\n\r\nDie Speicherstadt in Hamburg wurde zum damals weltgr\u00f6\u00dften Lagerhauskomplex f\u00fcr \u201cKolonialwaren\u201c ausgebaut und 1888 von Wilhelm II. feierlich eingeweiht. Im selben Jahr trat Hamburg nach z\u00e4hen Verhandlungen dem Deutschen Zollverein bei, eher widerwillig, bef\u00fcrchteten doch die Handelsh\u00e4user den Verlust ihrer Zollprivilegien. Erst als das Deutsche Reich ein Zollausschlussgebiet als Freihafen zugesagt, zudem erhebliche finanzielle Zusch\u00fcsse f\u00fcr weitere Hafenanlagen zugebilligt hatte, erkannte Hamburgs Kolonialwirtschaft f\u00fcr sich die damit verbundenen Vorteile. In den deutschen \u201eSchutzgebieten\u201c in Afrika, Asien und Ozeanien lie\u00dfen Bismarck und seine Nachfolger eine Kolonialverwaltung aufbauen und entsandten vom Hamburger Hafen Soldaten, R\u00fcstungsg\u00fcter und Kriegsschiffe. \r\nVolkswirtschaftlich gesehen waren die Kolonien ein Verlustgesch\u00e4ft, und nicht zuletzt wurden die deutschen Steuerzahler*innen zur Kasse gebeten. Lediglich die Handelsh\u00e4user konnten satte Gewinne einstreichen. Was jedoch nicht aufzurechnen ist, sind die Konsequenzen deutscher Kolonialpolitik f\u00fcr die kolonisierten Bev\u00f6lkerungen, die unter der systematischen Landnahme, Enteignung, Pr\u00fcgelstrafe und Zwangsarbeit, schlie\u00dflich unter Kriegen, Vernichtungsfeldz\u00fcgen bis hin zum V\u00f6lkermord leiden mussten.\r\n\r\nh1. Schnapsfabrikanten und Branntweinexporte\r\n\r\nAm Kolonialhandel verdiente auch Otto von Bismarck pers\u00f6nlich. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Reichskanzler zusammen mit Adolph Woermann und den anderen Hamburger Schnapsfabrikanten einen lukrativen Branntweinexport nach Afrika betrieb. Bismarck selbst besa\u00df vier Brennereien. Etwa 60 Prozent aller Ausfuhren in die Kolonien bestand aus minderwertigem Alkohol (1880-1889 ca. 77.000 Tonnen j\u00e4hrlich). Spirituosen wurden zum allgemeinen Zahlungsmittel, was zu einer verheerenden Alkoholsucht in weiten Regionen Afrikas f\u00fchrte. Bismarck torpedierte alle Versuche, Branntweinexporte zu kontrollieren oder mit Zollerh\u00f6hungen zu belegen. Die \u00fcber Jahre ausge\u00fcbte Kritik vor allem von Seiten der Sozialdemokratie im Reichstag und von Missionaren lief ins Leere.[4] Als Dank errichtete Adolph Woermann 1903 einen gro\u00dfen Bismarck-Turm auf seiner Plantage Bimbia am Kamerunberg. Auch in den anderen Kolonien wuchs die Anzahl der Denkm\u00e4ler zu Ehren Bismarcks. \r\n\r\nDas 1906 errichtete Hamburger Bismarck-Denkmal w\u00fcrdigt nicht, wie vielerorts, den Reichsgr\u00fcnder, sondern ist als Dank der hiesigen Kaufmannselite f\u00fcr die Gr\u00fcndung von Kolonien und den Ausbau des Hafens f\u00fcr die zollfreie Lagerung und Veredelung von \u201eKolonialwaren\u201c zu verstehen. Tats\u00e4chlich ist das Monument kein Ausdruck eines entfesselten Hurrapatriotismus, sondern das \u201eInstrument einer Wirtschaftsf\u00f6rderung ... aus k\u00fchlem kaufm\u00e4nnischem Kalk\u00fcl.\u201c[5]\r\n\r\nh1. Who is Who der Kaufleute, Bankiers und Reeder\r\n\r\nAus Sicht der Hamburger Denkmalsetzer*innen musste es sich vor allem rechnen. So vermittelt der als Roland dargestellte Bismarck denn auch eine bewusst doppelb\u00f6dige Botschaft: Auf den ersten Blick tut das Denkmal so, als beschw\u00f6re es preu\u00dfische Reichstreue. Im Gegensatz dazu steht die eingebaute Symbolik mit der Figur des mittelalterlichen Helden Roland, der unabh\u00e4ngige Stadt- und Marktrechte repr\u00e4sentiert. Als Schutzpatron von Handelsfreiheiten und Wohlstand huldigt er vor allem gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Kaufmannsinteressen. Betont wird diese Aussage noch durch die \u2013  seinerzeit durchaus umstrittene \u2013 Auswahl des Standortes auf der mittelalterlichen Bastion Gasparus. Von seiner H\u00f6henlage \u00fcber dem Elbstrom hinunter sollte der steinerne Bismarck \u201edie Wacht nach dem Weltmeer\u201c halten[6] mit einem \u201estolzen Ausblick aus dem Mittelpunkte der Stadt in den Weltverkehr\u201c[7]. Was es bedeutet, von einer \u201ekolonialen Globalit\u00e4t\u201c (Sebastian Conrad)[8] zu sprechen, l\u00e4sst sich an Hamburg mit seinem Hafen und gleicherma\u00dfen an dem die Stadt \u00fcberragenden Bismarck-Denkmal ablesen.\r\n\r\nWer waren die Denkmalsetzer? Es verwundert kaum, dass sich die Liste der Initiatoren und Gro\u00dfspender wie ein Who is Who der einflussreichen, kolonial agierenden Hamburger Kaufm\u00e4nner, Bankiers und Reeder liest. Unter Ihnen befanden sich\r\n\r\n* Johann von Berenberg-Gossler (1839-1913)\r\n\r\n* Rudolph Crasemann (1841-1929)\r\n\r\n* Siegmund Hinrichsen (1841-1902) \r\n\r\n* Carl Ferdinand Laeisz (1853-1900)\r\n\r\n* Julius Lippert (1835-1918)\r\n\r\n* William Henry O\u02bcSwald (1832-1923)\r\n\r\n* Rudolph Petersen (1878-1962)\r\n\r\n* Max von Schinckel (1849-1938)\r\n\r\n* Edmund Siemers (1840-1922)\r\n\r\n* Ernst Friedrich Sieveking (1836-1909)\r\n\r\n* Adolph Woermann (1847-1911)\r\n\r\nBei der Denkmaleinweihung 1906 standen Senats- und B\u00fcrgerschaftsabgeordnete und das kaufm\u00e4nnische Denkmal-Comit\u00e9 eintr\u00e4chtig zusammen mit dem Alldeutschen Verband/Ortsgruppe Hamburg, dessen Mitglieder u.a. im Deutschen Flottenverein und in der Deutschen Kolonialgesellschaft aktiv waren. Die Alldeutschen, ein einflussreicher Sammelbecken aus Gro\u00dfb\u00fcrgerlichen, radikalen Nationalisten, Antisemiten und Kolonialenthusiasten, legten einen kolossalen Lorbeerkranz nieder und nutzten auch in der Folgezeit das Monument als Treffpunkt f\u00fcr ihre propagandistisch-kultischen Zwecke. \r\n\r\nh1. Neustart postkolonialer Erinnerungskultur?\r\n\r\nDie einstige Kolonialmetropole Hamburg will heute ihre Vergangenheit kritisch aufarbeiten. An der Dekolonisierung der deutschen Vergangenheit gibt es heute ein gro\u00dfes \u00f6ffentliches Interesse. Die Stadt Hamburg hat sich mit dem Bericht des Kulturausschusses vom 27.05.2013 (Drucksache 20/8148) und der Stellungnahme des Senats vom 08.07.2014 (Drucksache 20/12383 ) zur \u201eAufarbeitung des kolonialen Erbes\u201c und einem \u201eNeustart in der Erinnerungskultur\u201c verpflichtet. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vom 07.02.2018 erkl\u00e4rt inzwischen die kritische Aufarbeitung der Kolonialgeschichte zum Grundkonsens der Bundesrepublik Deutschland. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Beh\u00f6rde f\u00fcr Kultur und Medien Hamburg in Abstimmung mit BIPoC-Communities[9] folgende Ma\u00dfnahmen ergriffen: \r\n\r\n* 2017 Gr\u00fcndung des Runden Tisches Koloniales Erbe als vielstimmige Plattform f\u00fcr eine breite Beteiligung von Einzelpersonen und Gruppen aus der Zivilgesellschaft sowie von Vertreter*innen aus Institutionen, Verwaltung und Politik.\r\n\r\n* 2019 Gr\u00fcndung des Beirats zur Dekolonisierung Hamburgs, der die Aufgabe \u00fcbernommen hat, ein gesamtst\u00e4dtisches Erinnerungskonzept zu erarbeiten.\r\n\r\nUm die Dekolonisierung des \u00f6ffentlichen Raums voranzutreiben, gilt es, koloniale Zeichen im Stadt-raum zu kontextualisieren, kolonial belastete Stra\u00dfennamen zu kommentieren oder umzubenennen sowie Kolonialdenkm\u00e4ler in ihrer Aussage zu dekonstruieren, um ihre hartn\u00e4ckigen Mythen zu brechen. \r\nDas Hamburger Bismarck-Denkmal ist auch ein Kolonialdenkmal. In vielfacher Hinsicht ist ein anderer Umgang mit diesem Denkmal m\u00f6glich. Bei \u00fcberkommenen kolonialen Zeichen bedarf es zeitgen\u00f6ssischer Vorgehensweisen, etwa k\u00fcnstlerischer Formen, \u201eNachdenkm\u00e4ler\u201c oder postkolonialer Gegendenkm\u00e4ler. Die _Initiative Decolonize Bismarck_ fordert ein Moratorium f\u00fcr die Sanierung und Instandsetzung und eine neue Debatte rund um das Denkmal. In dieser neuen Debatte, in der Entscheidungsfindung, Formgebung und einer geplanten Ausstellung vor Ort sollen die Nachkommen der Kolonisierten, die diasporischen BIPoC-Communities ebenso ma\u00dfgeblich beteiligt werden wie die Opferverb\u00e4nde aus den ehemaligen Kolonien und die zivilgesellschaftlichen Initiativen. \r\n\r\nfn1.In der Drucksache 21/18360 (11.09.19) wurde das Wirken des Reichskanzlers als umstritten kritisiert.\r\n\r\nfn2.Das \u201cstadtpr\u00e4gende Standbild Bismarcks an prominenter Stelle\u201c wurde \u201evon Anfang an polarisierend\u201c eingestuft. \u201eAus heutiger Sicht\u201c diene die steinerne Figur \u201eals monumental wirkende Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr offensive Auseinandersetzungen mit der deutschen und hamburgischen Geschichte und deren Aufarbeitung\u201c (Drs. 21/18360; 11.09.19). \r\n\r\nfn3.S. das neobarocke Reiterstandbildensemble f\u00fcr den Kaiser Wilhelm I., das einst vor dem Hamburger Rathaus stand\r\n\r\nfn4.Klaus J. Bade: Friedrich Fabri und der Imperialismus der Bismarckzeit. Revolution - Depression - Expansion, Freiburg i.B., 1975/2000; s. auch http://www.afrika-hamburg.de/bismarcke.html (26.01.2020); s. auch Friedrich Engels, der \u00fcber die ostpreu\u00dfischen Junker und Schnapsbrenner schrieb: \u201eWohin wir uns wenden, \u00fcberall finden wir preu\u00dfischen Sprit. ... Kartoffelsprit ist f\u00fcr Preu\u00dfen das, was Eisen und Baumwollenwaren f\u00fcr England sind, der Artikel, der es auf dem Weltmarkt repr\u00e4sentiert.\u201c Preu\u00dfischer Schnaps im Deutschen Reichstag http://www.mlwerke.de/me/me19/me19_037.htm (03.02.2020)\r\n\r\nfn5.Der gr\u00f6\u00dfte Bismarck der Welt. Denkmale als Wirtschaftsfaktor: Wie es Hamburgs Kaufleuten um 1900 gelang, sich mit kolossalen Monumenten die Gunst von Kaiser und Reich zu sichern, ZEIT 01.06.2006. https://www.zeit.de/2006/23/A-Denkmal_xml/komplettansicht (26.01.2020)\r\n\r\nfn6.Franz Andreas Meyer, der Erbauer der Speicherstadt, Schilling a.a.O., S. 49\r\n\r\nfn7.Franz Andreas Meyer: Bericht an Senator Pred\u00f6hl, 3.11.1900, Staatsarchiv Hamburg, Bismarck-Denkmal-Comite [sic], A 2, Bd. 2, 194, S. 1-10, in: Schilling a.a.O., S. 33\r\n\r\nfn8.Conrad, Sebastian: Globalisierung und Nation im Deutschen Kaiserreichhttps://www.chbeck.de/conrad-globalisierung-nation-deutschen-kaiserreich/product/16803 (03.02.2020)\r\n\r\nfn9. Black, Indigen, Persons of Color-Communities","created_at":"2020-12-15T16:19:04Z","creator":"Hanni Jokinen und Initiative Decolonize Bismarck","district":"St. Pauli","geo_relation":"Namibia; Kamerun; Tanzania; Togo","id":107,"image":{"url":"/v1.0/uploads/placemark/107/b-denkmal-as.jpg","thumb":{"url":"/v1.0/uploads/placemark/107/thumb_b-denkmal-as.jpg"},"mini":{"url":"/v1.0/uploads/placemark/107/mini_b-denkmal-as.jpg"}},"image_credit":"A. Schwarzer","lat":"53.548718","layer_id":5,"lon":"9.971996","place":"Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark","public":true,"published_at":null,"source":"","subtitle":"Das Hamburger Bismarck-Denkmal ist auch ein Kolonialdenkmal","teaser":"Dekolonisierung des \u00f6ffentlichen Raums in Hamburg: Zur Zeit wird der Bismarck-Koloss f\u00fcr neun Millionen Euro saniert und geputzt. Doch wer kommt hier zu neu strahlenden Ehren? Wie kein anderes Memorial steht die m\u00e4chtige Granitfigur f\u00fcr den Dank der Hamburger Kaufmannselite f\u00fcr die Gr\u00fcndung der Kolonien bei der Berliner Afrika-Konferenz 1884/1885, f\u00fcr den Freihafen und f\u00fcr kr\u00e4ftige preu\u00dfische Finanzspritzen bei der Hafenerweiterung. So liest sich auch die Liste der Gro\u00dfspender wie ein Who is Who der hanseatischen Koloniallobbyisten. Heute gilt es, kolonial belastete Symbole im Stadtraum zu erforschen, auf sie aufmerksam zu machen und sie in ihrem herrschaftlichen Gestus und ihren hartn\u00e4ckigen Mythen zu brechen. Die _Initiative Decolonize Bismarck_ fordert einen Baustopp und einen anderen Umgang mit dem Denkmal. Es bedarf einer breiten zivilgesellschaftlichen Beteiligung und Debatte, vor allem m\u00fcssen die Nachkommen der Kolonisierten ma\u00dfgeblich beteiligt werden.","title":"Ein aufgeh\u00fcbschter Antidemokrat","updated_at":"2021-01-15T12:47:31Z","url":"","user_id":94,"zip":"20459"}